25.02.2026

Kompany zu Rassismus

Dienstagabend schaute ich in der Vereinsgaststätte des benachbarten Sportclubs das Champions League Spiel von Dortmund an. Parallel lief auf dem anderen Fernseher das Topspiel zwischen Benfica Lissabon und Real Madrid. Vinícius Junior schoss dort ein fabelhaftes Tor, doch es sind die Szenen danach, die dieses Spiel bekanntmachten. Es kam zu einem Eklat, weil Vinícius Jr. von einem gegnerischen Spieler wahrscheinlich rassistisch angegangen wurde.

Bei einer Pressekonferenz von Bayern München äußerte sich später der Trainer Vincent Kompany zu diesem Vorfall, denn er hatte das Spiel genauso wie ich live verfolgt. Ganze zwölf Minuten redet er dazu, und jede Minute ist es wert, zuzuhören. Kompany spricht zu diesem schwierigen Thema verständlicherweise in Englisch, aber es ist mit deutschen Untertiteln versehen. Die Videos von der Pressekonferenz, die im Internet kursieren haben vielfach über 100.000 Aufrufe. Man findet sie z. B. auf dem YouTube Kanal des FC Bayern, aber auch anderswo.

Die Äußerungen von Kompany sind aus folgenden Gründen so bedeutsam und hilfreich für den Umgang mit dem Thema Rassismus.

  1. Er vermeidet Einseitigkeit. Er ordnet die ganze Szene in einen weiteren Kontext ein. Insbesondere, wenn Fans noch mit einstimmen, statt den Täter in seine Schranken zu weisen. Viele Äußerungen sind oft einseitig und sehr verkürzt. Sie kommen aus dem Moment heraus und stacheln dann entweder die eine oder die andere Seite auf. Im ganzen Statement von Kompany wird deutlich, dass er genau diese Einseitigkeit zu vermeiden sucht.
  2. Er spricht als Betroffener. Kompany ist der Sohn eines kongolesischen Einwanderers und war belgischer Nationalspieler. Er erfuhr in seiner Vergangenheit selbst Rassismus gegen sich selbst oder andere Spieler. Man merkt ihm an, dass er dieses Thema gründlich reflektiert hat. Er weiß also, wovon er spricht.
  3. Er spricht den Fehler eines Leiters offen an. Kompany bezeichnet die Reaktion des Lissaboner Trainerkollegen José Mourinho als unakzeptabel: er hat als Führungspersönlichkeit versagt, weil er das Fehlverhalten seines Spielers nicht nur übergangen hat, sondern  den Torjubel seitens Vinícius Jr. als Provokation und eigentliche Ursache beschrieben hat. So erklärte er das Opfer zum Täter. Ja er griff, so Kompany, sogar den Charakter von Vinícius an, und überging völlig, worum es ihm in diesem Moment ging, nämlich um die Verletzung, die er erlebt hatte. Rassismus muss jedoch offengelegt und darf nicht verharmlost werden. Auch in kirchlichen Kreisen sind wir gefordert, uns schützend vor diejenigen zu stellen, die rassistisch angegangen werden.
  4. Er gibt Raum zur Entschuldigung. Diesen Punkt finde ich am beachtlichsten, weil in der Öffentlichkeit dazu wenig Raum gegeben wird. Kompany sagt, dass im Idealfall der Spieler von Lissabon sich umgehend entschuldigt hätte, und man das hätte akzeptieren sollen. Mit unserem Schubladendenken berauben wir uns leider dieser Möglichkeit, sagt Kompany. Wir sind oft bei links oder rechts und Schwarz oder Weiß. Der goldene Mittelweg bleibt damit verbaut.
  5. Er erweist Mourinho Wertschätzung. Obwohl Kompany Mourinhos Reaktion als klaren Fehler in seiner Rolle als Leiter benennt, würdigt er Mourinho als einen Menschen mit offensichtlich gutem Charakter. Er stellt heraus, dass nahezu alle Spieler, die unter Mourinho gespielt haben, positiv von ihm als Trainer sprechen. Kompany möchte eben nicht, dass wir uns jetzt die Mäuler über Mourinhos Fehler zerreißen, sondern „darauf schauen, was wir gemeinsam erreichen können anstatt auf das, was uns ständig voneinander trennt.“

Unser Name „AMIN“ steht für „miteinander.aktiv.interkulturell“. Dieser Name ist Programm, und so können wir diesen Appell am Schluss der Pressekonferenz mit Vincent Kompany mitnehmen.

Nehmen Sie diese Pressekonferenz mit in Ihre Vereine und Gruppen! Es ist ein idealer Anfang, um Rassismus auf gute Art und Weise zum Gesprächsthema zu machen.

Fred Eick

AMIN aktiv.miteinander.interkulturell, Forum der evangelischen Allianz in Deutschland